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Shivas Schützlinge, Kurzroman und Novellen

Leseprobe "Shivas Schützlinge"

Liliths Erstlingswerk:
Shivas Schützlinge
Eine junge Frau kommt zu einer brutalen Erkenntnis: Mein Mann geht zu einer Domina.
Er wiederum folgt seinem Traum, das muß er tun, ihm scheint das wie ein höherer Wille. Nina fühlt sich, als hätte ein Einbrecher ihre Wohnung verwüstet. Und wenn sie ihm nun gibt, was er sucht? Ihr wird klar. Das kann sie nicht. Damit beginnt eine Odyssee für die beiden. Doch nun erbarmt sich ein Götterpaar und versucht, die Liebenden aufs Neue zu vereinen...

Leseprobe:

Zum ersten Mal war Sören ein Einrichtungsgegenstand: Untergebracht, wo er nicht im Wege war, unbeachtet und doch beaufsichtigt, im Blickfeld der Besitzerin, zeitweilig nutzlos und dennoch zu ihrer, nicht zu seiner Verfügung, während sie Wichtigeres tat.

Er begriff.

Der Zustand hatte nicht lange gedauert, aber er verlor schon das Zeitgefühl. Das Rattern des kleinen Rechners war vorbei, eine Schublade wurde geschlossen, ein Kugelschreiber auf den Tisch gelegt - zu seiner Verwunderung hörte Sören sogar die Spiralfeder darin.

Madame Severines Parfum kam vor ihr her, dann glitten leicht ihre Fingernägel über seinen Rücken. Und obwohl es ihn nicht wirklich überraschte -- denn er hatte ihr Kommen ja verspürt --, zuckte er so heftig zusammen, daß die Handschelle geräuschvoll an das Heizungsrohr stieß. Er zitterte. Ihre Hände glitten rechts und links an seinem Körper herab, und ihre Stimme kam leise und tief, wie um ein nervöses Pferd zu beruhigen. Der erste Schlag kam unvermittelt und überraschend und war schon gleich so stark, daß ihm ein empörter Aufschrei entfuhr und er einen Hüpfer machte. Sie ließ ihm Zeit, so daß der schneidende Hieb sich auflösen und als fröstelndes Brennen über seine Haut fließen konnte. Dann erst kam der nächste, einer nach dem anderen mit diesen Pausen, in denen er ihnen nachspüren konnte und in denen er schwankte, ob er dieses Auflösen genießen sollte oder den nächsten Schlag erhoffen, damit er vorbei wäre. Er nahm sie mit der seltsamen und dabei so tiefen Befriedigung hin, die ihm zeigte, daß er ohne Furcht war, daß sein Stolz sich darauf gründete, den Leiden des Körpers die Stirn zu bieten und die Schläge endlich so zu empfangen, als gäbe er sie selber, als sei Madame Severine sein verlängerter Arm -- sie war es! -- und ein anderer das Objekt. Dann plötzlich wurden sie barmherzig, wurde er leicht und ritt seine Geilheit wie eine sanfte Stute, wiegte sich auf ihrem Rücken hin und her und durchquerte das All. Die Schläge fielen mit berechneter Exaktheit und versetzten ihn in eine gleichmäßige selige Schwingung.

Die Zeit war viel zu kurz. Der Glanz der Welt außerhalb der Augenbinde ließ ihn zwinkern. Die Kerzenflammen schossen schräge Lichtkreuze durch den ganzen Raum. Dann war er wieder zurück.

Nina!