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Kontrovers

Frauen schreiben über schwulen SM für Frauen

m/m von weiblichen Autoren

... kann das gutgehen?

Das Problem der Authentizität

Hier stelle ich ein paar Thesen auf. Wer mag, kann die ausführlichen Begründungen lesen oder sich anhand der Überschriften stichprobenartig informieren.

Was ist wahr, was unwahr?
Wir haben ein Bewusstsein, das von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, wie z.B. Verstand, Erinnerung, Sehen und Hören und andere Sinne, Erziehung, Verarbeitung weiterer körperlicher Signale wie Herzklopfen oder Ausschüttung von Hormonen.
Aus allen diesen Eindrücken entsteht unsere Wahrnehmung der Welt.
Das ist nicht identisch mit der Welt, wie sie ist.
Wenn es identisch wäre, müssten ja auch alle anderen die Welt so sehen wie wir, und das ist definitiv nicht der Fall, jeder lebt in seiner Welt.
In unserer Zeit scheint dieses Auseinanderfallen eine besondere Höhe zu erreichen, aber dennoch gewinnen wir unsere Überzeugungen von genau dieser Sicht der Dinge und versuchen, andere davon zu überzeugen.

Wahrheitsgehalt überprüfen
Das ist zur Zeit besonders auf der politischen Ebene sichtbar. Es offenbart einen längeren Trend. Behauptungen werden in die Welt geschleudert, ohne dass der Sprecher sich um Beweise bemüht; dabei verändern sich Sitten, die Glaubhaftigkeit einer Aussage wird immer weniger wichtig gegenüber der Popularität, ja, Popularität droht, die Wahrhaftigkeit zu besiegen, woran die sozialen Medien weitgehend mitschuldig sind, stufen sie doch Aussagen immer mehr nach Wichtigkeit ein, nicht nach Seriosität. Denn die gälte es zu untermauern. Letztlich müssen Quellen von menschlichem Sachverstand bestätigt werden. Es reicht nicht, auf sie zu verweisen. Robots können Aussagen nach Popularität einstufen, die Werkzeuge des Internets sind weit überwiegend darauf geeicht, alle Formen der Zustimmung zu zählen. Sie sind nicht dafür geeignet, den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu überprüfen, obwohl es möglich wäre, entsprechende Algorithmen zu programmieren, die auf geprüfte Quellen zurückgreifen dürften, auf Datenbanken mit aufgearbeiteten Promotionen, zum Beispiel. Wissenssammlungen.
Aber das würde ja nicht die Werbung berücksichtigen! Klicks müssen sich auszahlen.
Und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Immer mehr Leserinnen lesen, was alle lesen, finden es toll und geben Klicks.

Dokumentation und Fiktion haben keine klare Trennung mehr.
Es ist das Fernsehen, dem wir den Einbruch der Fiktion in die Welt der Dokumentation verdanken. Es war der Sündenfall des Fernsehens, als die einstudierten und auf einem Script beruhenden Aussagen in die Studios der Talkmaster einbrachen. Ilona Christen präsentierte einmal eine Sendung, in der die Interviews auf vorgefertigten Manuskripten basierten und nicht auf den von sich aus getroffenen Aussagen der Studiogäste. Am Schluss der Sendung löste sie die Situation auf und verkündete, es habe sich dieses Mal um ‘Staging’ gehandelt, wie man es im Englischen nennt, das heißt, die Sprecher waren Schauspieler oder wurden dazu gemacht. Bald darauf gab Ilona Christen ihre Tätigkeit als Showmaster auf.

Die Literatur folgt dem Trend der Klickzahlen.
»Es ist ja nur Belletristik!«
Literatur darf viel, nur nicht langweilen. Bis zu einem gewissen Grad schließe ich mich da an, allerdings habe ich eine andere Vorstellung davon, was langweilig ist. Ich mag ungewöhnliche Geschichten und einen ausgefeilten Gebrauch der Sprache. Doch die Majorität der Leser, vor allem der Leserinnen, möchte nur wenige Fußbreit von ihrer Normalität abweichen. Sie akzeptieren eine sehr normierte Erzählsprache, die keine sprachlichen Experimente macht, sondern linear erzählt, also die Fortsetzung des Herdfeuer-Märchens in die heutige Zeit. Auch soll das Setting nur eben ein bisschen von der erlebten Normalität abweichen.
Aus dieser Art von Popularität ergeben sich natürlich die Verkaufzahlen, sie werden abgebildet, die Aussagen darüber häufen sich, werden wieder mehr gelesen, sie wirken auf die Gewohnheiten, wirken stilbildend und beeinflussen das Denken. Das kann gut sein wie im Bereich der Akzeptanz von Homosexualität; aber wehe, wenn eine Abweichung abgestraft wird. Wenn eine Person in den Ruf kommt, etwas getan oder geschrieben zu haben, was nicht dem herrschenden Codex zu entsprechen scheint. Sie wird es meistens ohne Überprüfung der behaupteten Fakten mit einem Shitstorm büßen. Man kann es begrüßen, dass die öffentliche Moral Fehltritte bestraft, z.B. Übergriffe von Prominenten auf junge Frauen, Kindesmisshandlungen oder sexuelle Handlungen an Kindern. Das Problem dabei ist allerdings, dass der Grundsatz der Unschuld bis zur Verurteilung ausgehebelt ist. An seine Stelle ist der Grundsatz der gemeinsamen Verurteilung getreten, ein Online-Thing, das die Beweisaufnahme flott überspringt und schon ein Urteil spricht. Und wehe dem, der etwas postet, was wahr ist und nützen soll, aber einfach nur nicht den Legenden entspricht, die die große Mehrheit der Leser im Kopf hat.

Beweise zählen nicht mehr
Sie zählen selbst dann nicht, wenn die Wahrheit von allen Augen gesehen werden kann. Beispiel: Die meisten Länder Ostasiens haben da, wo es Erfolge gibt in der Bekämpfung von Epidemien, mit Gesichtsmasken gearbeitet. Es war schon lange vor Covid19 ein vertrautes Bild, dass Japaner oder Chinesen während Grippezeiten mit einem Mund-Nase-Schutz in der Bahn fuhren. Trotzdem weigern sich die Ungläubigen in Europa und den USA hartnäckig, dies zu akzeptieren, und ziehen jeden Winkeldoktor als Gegensprecher heran. Wir haben es also mit einer Fakten-Resistenz in erschreckendem Ausmaß zu tun.

Muss man in der Belletristik alles beweisen?
Natürlich nicht, da möchten wir weit kommen! Schließlich gibt es den Fantasy-Bereich oder die Heldensagen der Marvel und DC-Welten, in denen die Protagonisten magische Kräfte haben. Gehen wir aber in die Welt der übrigen Romane, so wird schon eine Folgerichtigkeit verlangt. In einem Krimi erwartet man, dass die Handlung einer gewissen Logik folgt. Unbegründete Handlungsstränge irritieren den Leser. Man möchte Gedankengänge weiterverfolgen, selber eine Lösung ahnen, und man freut sich, wenn man auf der richtigen Spur war.
Solche erzählerischen Gesetze gelten auch für andere Genres. Auch Liebesgeschichten haben ihre Logik. Figuren entwickeln sich aufgrund ihrer Vorgeschichte und durch Schicksalswendungen. Wir erwarten, dass bestimmte Faktoren der Umgebung richtig dargestellt werden; wir erwarten eine Spelunke mit zwielichtigen Charakteren in einem entsprechenden Stadtteil, und der Barkeeper wird nicht zum Unschuldslamm mutieren, sondern es nur vorspielen.

Scheinbar dürfen aber bestimmte Genres Ausnahmen machen.
Die Beliebtheit eines Genres, die Gay Romance, hat in den vergangenen Jahren sprunghaft zugenommen. Und hier wagen sich Autorinnen – vor allem sie und nicht die Männer – auf ein Gebiet, zu dem sie wenig Zugang haben und von anderer Literatur profitieren müssen, wie auch von optischen Medien, um etwas über das Geschehen in dieser Szene aussagen zu können. Die schwulen Männer beschreiben das Milieu, das sie betreten können. Keine Frau wird in die hinteren Räume, die die Darkrooms der zentralen Schwulenclubs kommen, es sei denn, sie putzt sie am Morgen danach. Es gibt viele Bars, in denen auch Frauen verkehren, sei es, Hetero-Frauen, die ein persönliches Interesse an Schwulen haben, seien es Lesben, die aber zumeist ihre eigenen Treffpunkte haben. Die Bars, in denen wirklich schwuler Sex und SM abgeht, sind normalerweise für Frauen nicht zugänglich. Es gibt Ausnahmen, ich war auf einer schwul-gemischten Party in den Räumen des Magnus-Hirschfeld-Zentrums, bevor es umgezogen ist.
Viele Autorinnen von schwulen Romanen für Frauen halten aber nicht einmal einen solchen losen Kontakt für nötig. Sie beschreiben, was sie für schwule Welt halten. Das mag im Bereich des ‘normalen’ Sex noch hinhauen, denn wenn Frauen genügend Sex mit Männern haben, können sie ungefähr hochrechnen, wie die Praktiken zwischen schwulen Männern aussehen dürften, und die Spezialtitäen googeln sie oder lassen sich von schwulen Freunden erzählen, wie die das machen.
Sie rechnen fest damit, dass ihre Leserinnen ebenso wenig Ahnung davon haben wie sie selber. Und so sind sie sich dann von Herzen einig.

SM und/oder Dom/dev ist eine Veranlagung
Wo es aber schwierig wird, ist beim Thema SM.
Hier kommt man mit dem Anschauen von Videos und Bildern nicht sehr weit im Versuch, sich in die aktiven oder passiven Dargestellten hineinzuversetzen. Vielen Nicht-Sadomasochisten ist nicht klar, dass es sich auch hier um eine besondere Veranlagung handelt, wie schwul oder lesbisch zu sie, wie Transsexualität. Können sich Menschen, die behaglich in einem akzeptierten Körper wohnen, vorstellen, wie es ist, wenn man sich mit seinem in einem ständigen Kampf befindet? Ich glaube, sie können es nicht. Sonst gäbe es bei den Transsexuellen nicht so massive Erfahrungen des Unverstanden-Seins und der ungerechten und kränkenden Behandlung. Sie möchten nicht zu Zirkustieren gemacht werden oder auf Monsterschauen der alten Jahrmärkte mit Gruseln betrachtet werden. Aber das ist es, was passiert, wenn Nichtbetroffene für Nichtbetroffene die Freaks ausstellen.
Und so ist es mit sadomasochistischen Menschen. Wie sie sich fühlen, wenn sie als Witzfiguren herhalten, das ist ja noch zum Mitlachen. Aber Unverständnis ist immer schwierig. Ob du Feinbild bist oder Fetisch.
Was sie in ihren Sessions erfahren, wie sie mit Schmerz und anderen Schikanen umgehen und sie verwandeln, das kann nur der nachvollziehen, der so fühlt.

Masochisten und Devote sind keine armen Würmer.
Jemand, der Schmerz in Lust verwandeln kann, tut das nicht in jeder Situation; aber wenn er sich in einem Setting befindet – nicht beim Zahnarzt oder bei einer Gallenkolik –, in der er oder sie die Empfindungen erotisieren kann, dann wachsen sie in der Nehmerqualität über alles hinaus, was ein ‘normaler’ Mensch sich vorstellen kann. Sie können nicht nur ertragen, sondern sogar genießen, was für einen Beobachter unglaublich und übermenschlich erscheint. Ich war gefühlt hundertmal nicht nur Zeuge, sondern auch Verursacher dieses Prozesses einer Alchimie der Körpersäfte.
Abseits davon sind Masochisten stolze Mitbürger und die meisten keineswegs jämmerlich. Ich würde sogar so weit gehen, den Jämmerlichen einen echten Masochismus nur zuzubilligen, wenn ich Zeuge werde.
Die, mit denen ich sprach, empfinden die Verachtung, die die ‘normale’ Gesellschaft ihnen entgegenbringt, als ausgesprochen kränkend.
Es gibt Hunderte von Einzelheiten, die sich im Leben von Sadomasochisten anders auswirken als bei anderen Menschen. Und die kann man sich nicht einfach ausdenken. Es kann an solchen Einzelheiten scheitern wie an einer zu lockeren Fesselung, die einen Absturz auslösen kann, eher als eine etwas zu feste. Es kann eine Unterbrechung einer Peitschen-Session sein, weil man denkt, der Masochist braucht eine Pause, nein, verdammt, die braucht er nicht, er will, dass es weitergeht, denn er war gerade so schön am Fliegen, und er wird dich anfauchen, ernn fu wenn du jetzt unterbrichst, lila Arsch oder nicht.
wenn du ihn fallen lässt.
Kann man sich dergleichen ausdenken, wenn man es nie erlebt, beobachtet, geschweige denn, getan hat? Nein, das kann man nicht.

Es gibt auch Gefahren, die du nicht einschätzen kannst, wenn du nicht korrekte Informationen hast.
Ach wie zärtlich und erotisch ist doch das Fesseln mit Seidentüchern, und wie schön sehen sie aus! Und wie reizvoll ist es erst, den Geliebten in so einer Seidentücher-Bondage zu kitzeln (nein, wir schlagen nicht, wir sind ja Soft-Smer!), ja, und dann windet er sich in seinen Fesseln und zieht am Bettpfosten, und die Fessel wird enger.
Zu eng.
Mach mich los!
Der Knoten ist hart geworden wie Beton.
Hättest du damit gerechnet?
Was machst du nun?
Schneid es durch, verdammt, beeil dich, meine Hand ist schon ganz kalt und weiß!
Was? Das ist Hermès, das hat 150 Euro gekostet!
Schneid es durch, meine Hand wird taub!
Ja, doch.

Warum aber kann man sich nicht darauf verlassen, dass das Konzept »Es ist ja nur Literatur« funktioniert?
Das eine ist der Nachahmungseffekt. Dinge, die gefährlich sein können, müssen entweder als gefährlich gebrandmarkt werden oder besser noch, gar nicht erst erwähnt werden. Die verdammten Seidentücher spuken überall durch die Portale. Man kann sagen, das ist doch nur Literatur, und das weiß man. Nein, nicht alle wissen das! Es steht da gedruckt, und irgendjemand ist sicher dabei, der das nicht versteht. Wie beim Programmieren von Software muss man vom dümmsten anzunehmenden User ausgehen.
Wenn nun jemand das nachmacht, was du beschreibst, und kommt zu Schaden? Das willst du nicht.
Das andere ist das Verschwimmen von Realität und Fiktion, die ein immer größeres Ausmaß annimmt. Wie sich in der Politik zeigt, gerade in den USA im November 2020, ist es dringend notwendig, zur bewiesenen Realität zu-rückzukehren und die Fakes zu entlarven. Denn es geht um Leben und Tod. Fiktion, vor allem die bewusste Lüge, vergiftet die Wahrnehmung. Es ist nichts gegen Fantasy einzuwenden, die als Fantasy gekennzeichnet ist. Aber ich protestiere auf das Schärfste gegen Fahrlässigkeit in der Darstellung von Handlungen und Umständen, die als Abbild der Realität ausgegeben werden.
Unser Gehirn wertet die Eindrücke verschieden. Die eher jüngeren Teile sind der kognitiven Wahrnehmung und dem bewussten Wissensaustausch zugänglich. Auf dieser Ebene kommt die Information an, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt. Aber andere Teile des Bewusstseins reagieren auf die sexuellen Anteile und rechnen sie dem Belohnungszentrum zu. Diese Inhalte locken und versprechen und geben auch oft Befriedigung. Das ist ein Faktor von Wahrheit.
Sind wir dagegen gefeit, dass uns auf diesem Wege kollateral auch Falschinformationen eingeträufelt werden, schmackhaft gemacht durch den Lustfaktor?

Was veranlasst Frauen, schwule SM-Geschichten zu schreiben?
Vor allem ist das zu fragen, wenn es sich um Frauen handelt, die selber keine Erfahrung mit SM haben und deren Kenntnisse ausschließlich aus anderen Büchern, Erzählungen und Videos stammen.
Autorinnen solcher Geschichten haben ein Interesse daran, sie zu erzählen, dass sie nicht zugänglich sind für ein Abraten. Das heißt, die Libido muss ein mächtiges Wörtchen mitreden bei der Entscheidung, solche Bücher zu schreiben. Das habe ich selber erlebt.
Sie bestehen geradezu wütend darauf, sie hätten ein Recht darauf, schließlich sei es Fiktion, und da wäre alles möglich.
Wenn sie aber eine Welt beschreiben, die in allen anderen Bereichen realistisch ist, wenn das Pflaster schwarz im Regen glänzt auf einer Straße, die man in Street View genau so sehen kann, dann wird eine virtuelle Realität geschaffen. Dann fließt das Geschehen in den Pool des Bewusstseins ein. Dann fragt unsere Erinnerung nicht mehr danach, ob ein Detail aus einer Doku oder aus einem fiktiven Roman stammt. Unser Gesamtbild der Realität verändert sich. Es verändert sich weg von einer Realität der SM-Szene, die 30 Jahre lang darum gekämpft hat, so gesehen zu werden, wie sie ist. Menschen wie das Team der SCHLAGZEILEN schreiben sich seitdem die Finger wund, um gegen Falschdarstellungen in der Presse und den visuellen Medien anzugehen, wo nur zu gern Morde in das "Sado-Maso-Milieu" verlegt wurden. Wir haben dagegen angeschrieben. Das war genau wie bei der schwulen Szene der Weg hinaus aus Diskriminierung und der Kriminalisierung.

Schwule Romane weiblicher Autoren bedienen sich gern der Kriminalität.
Sie ermöglicht, einen strahlenden männlichen Retter darzustellen, der sich des Opfers erbarmt. Und sie können sich voller Barmherzigkeit als Samariter im Auftrag der Leserin über das Opfer beugen, den Schmerzensmann, jung und hübsch in den meisten Fällen, und ihm liebevoll aufhelfen und sich dabei selber als diejenige fühlen, die ihre Mütterlichkeit geradezu madonnenhaft über das Opfer ausgießt, während ihr ja wegen des schwulen Settings nicht das Bild einer anderen Frau in die Quere kommt und das Leuchten der Retterin überstrahlt, die sie selber in sich spürt.
Dass sie selber als Autorin ja auch die Wunden geschlagen hat, die das Opfer in die Hilflosigkeit geprügelt haben, wird ihr gar nicht bewusst.
Das ist eine Kombination von latentem Sadismus und Fürsorglichkeit, die meistens harmlos und höchstens nervig ist. In einer sehr seltenen und weniger harmlosen Ausprägung nennt man das ‘Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom’. Wenn es jetzt Geschrei gibt, ich würde allen Autorinnen von schwulen Romanen dies unterstellen, bekenne ich mich erstens zu einem Ansatz dieser Gefühle, sonst könnte ich sie nicht so schildern, aber zweitens habe ich die Latenz verlassen und hatte ein Coming-Out, in welchem ich die Natur meiner Gefühle verstanden habe. Ich begann, BDSM zu leben und eine Beziehung mit einem Sub zu führen.

Das Coming-Out ist ein Heilungsprozess
Wenn wir uns bewusst werden, wohin unsere Libido tendiert, welche Bilder uns sexuell stimulieren, dann ist die halbe Aufklärung schon getan. Wenn wir uns in Verbindung setzen mit anderen, die das ebenso fühlen und ausleben, dann haben wir bald ganze Arbeit geleistet und müssen unserer Umwelt nicht mit unserer Latenz auf den Keks gehen.

Erkenne dich selbst.
Finde andere, die so fühlen wie du.
Verurteile die nicht, die so fühlen wie du, es sei denn, sie können damit Schaden anrichten.
Praktiziere, was du fühlst!
Alles ist erlaubt, wenn beide bewusst und erwachsen zustimmen, wenn ihr Geist klar ist, wenn die körperliche und seelische Gesundheit gewährleistet ist, wenn bleibende Schäden ausgeschlossen werden können.
Und wenn du diese Erfahrung gemacht hast, schreibe über das Thema.

Ich garantiere, du wirst dann ganz anders schreiben. Und die es kennen, werden es merken.