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50 Shades of Grey

Im Schwerpunkt der SCHLAGZEILEN veröffentlicht

Stalker, Vergewaltiger, Egomane

Ist wirklich Grey der Böse?

Mit welchen Gedanken gehen die Zuschauer aus dem Kino, nachdem sich die Fahrstuhltür geschlossen, die Leinwand verdunkelt hat? Möglich, dass es da zwei Fraktionen gibt, die einen, die man aus Facebook kennt, die einfach nur den Mr Grey toll finden, die eine Ana sein möchten und sicher sind, dass sie es besser ausgehalten hätten, was er mit ihr macht. Weil sie ihn lieben und ihn aus der Misere seiner durch das Kindheitstrauma ausgelösten Grausamkeit herausführen möchten.
Die anderen, die Erfahrung mit BDSM haben, sind skeptisch herangegangen, weil sie schon Urteile gehört haben, wie manipulativ, übergriffig und rücksichtslos Grey sich gegenüber der Unschuld verhält. Unter Umständen sind sie mit dem festen Vorsatz zu lästern ins Kino gegangen, wie ich es tat.

Dann aber zähle ich die Male, in denen er nach Zustimmung fragt, Warnungen einbaut und Informationen vermittelt, was er vorhat, und komme auf eine nicht unbeträchtliche Anzahl. Jedoch: Was bewirken Informationen, wenn noch nicht ein Gefühl da ist, was sie bedeuten?
Diese Fragestellung zieht sich sehr unauffällig, aber doch konsequent durch die Filmhandlung.
Inzwischen haben wahrscheinlich alle den Film gesehen, darum hoffe ich, keinen Spoiler zu begehen, wenn ich von den entscheidenden Szene am Ende rede. Alle, die das Buch gelesen haben, wissen ohnehin, wie der erste Teil enden wird, da gibt es keine Überraschungen.
Was mich allerdings überrascht hat, ist, dass die Macher dieses Films sich doch wohl sehr gründlich mit Fragen des Konsens und der Bedeutung von praktischen Erfahrungen auseinandergesetzt haben. Sie zeichnen ein Psychogramm einer jungen Frau, die in erster Linie für eine Romanze ansprechbar ist. Es ist Zärtlichkeit und Flirt, was sie triggert, aber sie ist auch kein Teenager mehr, sie ist merklich reif genug für die sexuellen Erfahrungen, auch leidenschaftlicher und härterer Art, wie sie ihr dann im Laufe der Beziehung auch zuteil werden. Das, was den Kern seiner Begierden darstellt, bleibt in ihrer Welt ein Fremdkörper -- noch, so ist wohl ihre Hoffnung. Er geht lange Zeit davon aus, dass es ein Reifungsprozess ist, ihre Fähigkeiten zu devot-masochistischen Praktiken zu entfalten. Nachdem eine intime Beziehung ihren Anfang genommen hat, vertut er keine Zeit, sondern geht recht zügig dazu über, sie auch in seine BDSM-Aktivitäten einzuweihen. Wenn er sie lange genug damit verschont und sich auf die Vanilla-Seite der Beziehung beschränkt hätte – das muss man der Fairness halber sagen –, könnte man ihm wiederum vorwerfen, dass er sie nicht rechtzeitig aufgeklärt hätte, welche Perspektive eine Beziehung mit ihm zwangsläufig haben wird. Und das sollte man wohl auch tun, bevor sich eine Verliebtheit einstellt, die nicht zur Veranlagung eines der Beteiligten passt.
Nach dieser Erkenntnis zieht sie sich frustriert und kummervoll zu ihrer Mutter zurück, um dort ein paar Tage Auszeit zu nehmen und ihren Frieden wiederzufinden. Er fliegt vom Pazifik and den Atlantik und taucht bei ihr auf.
Man hat ihm in den Diskussionsrunden amerikanischer Bloggerinnen und feministischer Online-Artikel Stalking vorgeworfen, doch hat sie ihm per Handy getextet, dass sie ihn vermisst, sie hat ihn also praktisch eingeladen.
Es entwickelt sich ein großes Missverständnis. Er deutet ihre Zeichen offensichtlich als Zustimmung dazu, eine Top-Sub-Beziehung aufzunehmen; sie ist sich recht sicher, dass sie das wird abbiegen können und ihn zu dem Sex-und-Kuschel-Partner zu machen, den sie haben will, indem sie sich streckenweise sehr kokett verhält, ihm deutlich sagt, was sie nicht will, ihn hinhält und auch mal den Spieß umdreht, sich verweigert und doch wieder lockt. Sie bekommt es sehr gut hin, die Spiele zu spielen, die junge Männer und Frauen schon in der High-School-Zeit gelernt haben. Möglich, dass sie meint, wenn er erst guten Sex mit ihr haben würde, dann könne sie ihm die Flausen mit dem SM schon austreiben.

Man darf an dieser Stelle die Spielhandlung nicht mit der Aussage des Films verwechseln. Grey hat sichtlich verstanden, dass sie den SM-Anteil in der Beziehung bagatellisiert, indem sie scherzhaft und spielerisch mit dem Vertrag umgeht, den sie modifizieren und dann unterzeichnen soll. Die Verhandlungen um ihre Modifikationen werden als Geschäftsgespräch geführt; an einem großen Tisch sitzen sie sich gegenüber, er in Anzug und Krawatte, sie im Etuikleid mit langem Reißverschluss auf der Rückseite. Die Mitarbeiter bringen einen kleinen Imbiss. Ihre Vorbehalte werden von ihm akzeptiert, fast ohne Nachfragen und ganz ohne Widerspruch. Dass es sich um den Auftakt eines Total Power Exchange handelt, ist ihr mit Sicherheit nicht klar.
Womit sie immer noch Probleme hat, ist seine Zurückhaltung, sein Unwille dagegen, dass sie ihn anfassen darf. Hier kann der Film kaum vom Roman so weit abgehen, dass seine grauenhafte Kindheit nicht mehr thematisiert würde. Ob die Macher des Films deswegen Bauchschmerzen hatten? Ich hätte sie, denn die ansonsten moderne und gut informierte Hintergrundstrahlung des Films würde von einer "Theorie des Krankhaften" auf ärgerliche Weise konterkariert. Das ist doch ein längst überwundener Gedanke, wenigstens in der wissenschaftlichen Begleitung des Phänomens BDSM. Offenbar ist diese Verknüpfung seines Schicksals und seiner Neigung aber mit Blick auf weitere Fortsetzungen unverzichtbar.
Das drückt allerdings die Schlussfolgerung von Anastasia aus, die in den Obsessionen für BDSM, die sie an Grey kennenlernt, offenbar etwas Pathologisches sieht, etwas, woraus sie ihn gern retten würde.
Es ist also die Frage, ob man diesen Gedanken als einen Grundgedanken des Films sieht, als eine Intention der Regie, oder ob die Verquickung von sadistisch und krank nur in ihrem Kopf stattfindet und dort aber drastische Konsequenzen hat. Ich kann die erste Möglichkeit fast ausschließen, denn dazu glaube ich eher an eine gute Aufgeklärtheit bei den Machern des Films. Es spitzt sich aber eher dahin zu, dass Ana einen Versuch an sich selber verlangt, um zu verstehen, was er wirklich will. Er soll sie so hart schlagen, wie es seiner vollen Leidenschaft entspricht. Ihre Zustimmung zu den sechs Schlägen, die sie mitzählen muss, ist ausdrücklich und unmissverständlich, und sie bekommt ihr Teaching.
Die endgültige Moral – so sehe ich es – ist nicht sein Scheitern, sondern das Ihre. Sie hat es auch nach dem Versuch nicht verstanden. Ihr steht nicht die Kraft zu Gebote, den Schmerz in Lust zu verwandeln, sie wird davon niedergedrückt und zerschmettert. Das Trauma hat sie sich selbst aufgesackt, hat sich damit auch die Möglichkeit genommen, dass er sie auffängt, sondern das Bild kippt, er ist der Verletzer, der sie traumatisiert hat. Unter Tränen beschließt sie die Trennung und lässt ihn machtlos zurück. Erreichen kann er sie nun nicht mehr.
Der letzte Gruß in der Fahrstuhltür ist ein Cliffhanger, der eine Wiederaufnahme vermuten lässt, aber unter welchen Umständen? So, wie es jetzt aussieht, ist meine Folgerung: Der jungen Dame fehlen die Anlagen, um in BDSM mehr zu sehen als eine Kraftprobe. Das ist nicht, was sie braucht; sie ist nicht, was er braucht.
Keine Schuldfrage. Ein Missgriff.
Muss ich jetzt die anderen Bücher lesen, um es herauszufinden, ob sie doch eine devot-masochistische Veranlagung entfalten wird? Ich hoffe nicht. Sie sind — im Gegensatz zum Film — gar so langweilig.

Update
nach Lektüre des zweiten und des halben dritten Teils

Fehlt diesen Büchern die korrekte Sicht auf BDSM? Nein, sie ist in Ansätzen vorhanden. Wir werden aufgeklärt. Es bedarf eines Besuchs bei seinem Psychiater, der aus dem Vollbesitz seiner Kompetenz verkündet, dass BDSM den Grundsätzen von SSC folgen muss.
Viele Kritiker haben behauptet, diese Informationen fehlten den Büchern. Das ist nicht richtig. Sie werden im Film nicht explizit zum Thema gemacht, und auch die halbe Seite im Buch, die diesen Informationen gewidmet ist, verhält sich sehr sparsam zu den “saftigen” Teilen der Handlung. Diese Informationen werden wieder verunklart durch die Aussage, Grey sei gar kein echter „Sadist”, sondern habe sich lediglich ein Ventil gesucht, um seine Erfahrungen zu verarbeiten.
Diese kurze Information, die zudem nicht im ersten Band und auch nicht im Film gegeben wird, muss da nun also versuchen, der lang ausgebreiteten Vorgeschichte standzuhalten. Die Verhaltensweisen des Christian Grey, die von so vielen Lesern und Leserinnen, vor allem von denen mit feministischem Hintergrund, zu Recht kritisch betrachtet werden, sind nicht korrekt. Es geht damit los, dass er sich auf eine unerfahrene junge Frau verlegt hat, die sich noch keine Maßstäbe hat bilden können, welche Behandlung, welche Interaktion sie dulden, welche sie von sich weisen sollte. So kommt es zu einem Wirrwarr zwischen seinen vielfachen Nachfragen nach ihrer Genehmigung für Dinge, die sie noch gar nicht kennt und somit schlechterdings nicht beurteilen oder verurteilen kann.
Eine Stunde bei Christians Therapeut, mit dem Ana unter vier Augen redet, kann da nicht gegen die Handlung des ganzen ersten Bandes ankommen. Und gemessen daran, wie Christian ihr nachsteigt, sie überwacht und dennoch hochneurotisch auf ihre Annäherung reagiert, wenn seine Traumata berührt werden, ist dem Therapeuten auch kein gar so gutes Zeugnis ausgestellt, wenn er zwar aufklären, aber nicht wirklich therapieren konnte. Man kann vermuten, dass die trockene Aussage des Wissenschaftlers kaum den Eindruck abbiegen wird, den wir in blumigen und lustbetonten Szenen bekommen haben, den mitten in der Lust abbrechenden gebrochenen Christian, der urplötzlich von einer Erinnerung zurückgeworfen wird in Momente der erlittenen Misshandlung; das frühkindliche Trauma dringt in seine Liebesrituale ein und lässt ihn (fast) abstürzen, und da öffnen sich die Schleusen ihrer Mütterlichkeit, wie sie wahrscheinlich fast jeder Frau innewohnt, und die junge Dame verströmt zunehmend die Art Liebe, die alles duldet, alles erträgt, nicht eifert, nicht rechtet und nichts verlangt. Und sie wird damit Erfolg haben, er schmilzt unter ihrem Zugriff, und abgesehen von dramatischen und von BDSM meilenweit entfernten Szenen, in denen eine bewaffnete Ex das neue Paar stalkt, und einer anderen, in der Ana mit ihrem neuen Auto, das sie zum ersten Mal fährt, eine Verfolgungsjagd brillant besteht, spielt sich eigentlich nichts mehr spezifisch Sadomasochistisches zwischen ihnen ab. Wir erfahren angekinkte Details lediglich als Brandbeschleuniger ihrer üppigen und immer wieder nach dem gleichen Schema ablaufenden Sexszenen, und auch das kokette Liebesgeflüster verkündet uns nichts Neues. Dazwischen sind in großzügiger Verteilung Szenen eingestreut, die aus “The Bold and the Beautiful ” („Reich und schön”) stammen könnten, in denen die große Freiheit, die Geld verleiht, sich auf den bekannten Helikopter, auf Segelflieger, Villa, Europareise, Yacht, Jetski und andere Werkzeuge des Sozialprestiges erstreckt. Auch die Interaktion mit den Nebenfiguren erfüllt alle Anforderungen an eine Daily Soap, bis auf ein so abgegriffenes Script, wie kein Produzent es heute annehmen würde. Und schließlich sind die Wiederholungen, die man nicht “running gags”, sondern allenfalls “running bores” nennen dürfte, Grund genug, um die literarische Qualität bei Null anzusiedeln.
Hierbei relevant für unser Interesse an der BDSM-Entwicklungsgeschichte sind nicht mehr die Details der erotischen Szenen. Die überspringe ich inzwischen weitgehend. Nur das Machtgefälle ist weiter zu beobachten, und das hat sich umgekehrt. Aus dem überkontrollierenden und unberechenbaren Meister und kompetenten Verwender der Accessoirs in seinem Spielzimmer ist das Spielzeug der Herrin Ana geworden, die, ohne den Machtanspruch eigener Dominanz auszusprechen oder auch nur wahrzunehmen, ihren Geliebten und dann auch Ehemann mit einer Leichtigkeit um den Finger wickelt, die seine Dominanz zu einer rein handwerklichen Dienstleistung an seiner Gemahlin reduziert. Das “Lived Happily Ever After” beinhaltet den Aufstieg des Aschenputtel zu einer souveränen Nutzerin der menschlichen und materiellen Ressourcen; während sie immer noch über den märchenhaften Reichtum staunt, in den es sie binnen weniger Wochen hineinkatapultiert hat, während sie noch so tut, als hätte sie das noch immer nicht verinnerlicht, dass alles dies auch ihr gehört, geht sie schon sehr routiniert damit um, wenn die kurzen Pausen zwischen ihren Paarungsriten ihr dazu Zeit lassen. Das ursprüngliche Machtgefälle ist bis zu dem Punkt, an dem ich mit dem Lesen angekommen bin – mitten im 3.Teil – zur Unkenntlichkeit verfallen; das bisschen Spannung, das aus sachfremder Literatur heraus- und in die Geschichte hineingequetscht wird, um dem Mangel an echtem Plot ein Mäntelchen umzuhängen, ist in tausenden Serien und Aktionfilmen bereits ausgelutscht worden.
Bisweilen verhält sich Grey denn doch überkontrollierend, Ana wiederum behält sich eigene Entscheidungen vor und auch, sie nicht gleich pflichtschuldigst zu telegraphieren. Sie ging aus, während ein gravierendes Sicherheitsproblem entstand, und pünktlich kulminiert es zu diesem Zeitpunkt.
Schon haben sie wieder ein Problem, über das sie ernsthafte Gespräche führen, aber mitten in diesen fällt ihm nichts Schlaueres ein, als sie über ein Füttern mit verbundenen Augen in eine D/s-Situation zu locken und sie in seinem Spielzimmer durch Reizen und Verweigerung zu bestrafen, bis sie “rot” schreit.
Das heißt: Die auf gleicher Ebene geführten Verhandlungen darüber, dass sie ihn ohne Nachricht gelassen hat, gehen unvermittelt in ein nicht abschließend geklärtes Machtgefälle über.
So kann man die Kreise nicht vermengen: Zum einen bleibt ihre Position zu einander in der Schwebe, zum anderen nutzt er das libidinöse Spiel, um seiner Unzufriedenheit, ja, Wut, die aus der realen Bedrohung stammt, ein Ventil zu geben.
An dieser Stelle ist mir klar, dass die Autorin SSC zwar zu zitieren, aber nicht zu begreifen imstande ist.
Wenn sich nicht noch etwas Gravierendes ändert – und danach sieht es nicht aus –, ist die Ausbeute für Leser mit echten BDSM-Erfahrungen zunehmend unbefriedigend.
Stattdessen wird aber mit großem Schwung das Märchen von der heilenden Liebe ausgebreitet, und was der Star-Therapeut in jahrelangen, häufigen Sitzungen nicht geschafft hat, das schafft Ana in wenigen Szenen, in denen sie das Wunder ihrer Wirkung entfaltet. Das ist das eigentlich Ärgerliche an diesem Buch, das auch schon vielen von uns aufgefallen ist: Jede unvorbereitete Leserin wird den allzu griffigen Schluss ziehen, Sadomasochismus sei eine Störung, die durch Liebe geheilt werden kann.

Wenn man den zweiten und dritten Teil der Geschichte im Überblick betrachtet, entwickelt sich darin zunächst eine Zähmung der wilden Aspekte von BDSM zu einem sehr harmlosen Hilfsmittel, das dem Sex untergeordnet wird. Denn der entfaltet sich zu immer neuen, feuerwerkartigen Apotheosen mit den immer gleichen Metaphern, Ana explodiert in 5 von 6 Orgasmen, wie auch die immer gleichen Klischees diese Szenen einleiten. BDSM wird domestiziert, hingegen entwickeln die wahren Konflikte, mit denen die Autorin versucht, eine gewisse Dynamik in die Handlung zu bringen, sich in der Außenwelt, stammen sie von Angriffen der Feinde des Paares. Alles Wilde wird ausgelagert, während die Szenen im Spielzimmer nur dann noch eine vage Ähnlichkeit mit BDSM haben, wenn etwas schiefgeht – wie bei Christians Schnapsidee, Ana durch Orgasmuskontrolle zu bestrafen.
Alles, was mir über diese Bücher bisher an Kritik eingefallen ist, ob das langweilig ist oder vorbei an der Wirklichkeit des Sadomasochismus, verdichtet sich jetzt zu meinem Eindruck, vielleicht meiner Schlussfolgerung, dass es sich hier um einen Stino-Liebesroman handelt, der eigentlich von der Verurteilung des BDSM lebt.
Seit mehr als 18 Jahren bewege ich mich in der Szene und nehme Literatur zur Kenntnis, die sich mit dem Thema beschäftigt. Wo immer das Thema aufgetaucht ist, war es in der breiten Öffentlichkeit entschuldigt und zum Konsum freigegeben, sobald die Moral von der Geschicht ein erhobener Zeigefinger war: „Solche Sünden enden böse, lasset ab davon.” Wenn die Helden starben, ermordet, verletzt wurden oder sonstwie litten, war alles gut.
Diese Geschichte trägt eine solche Moral versteckter vor, aber doch sehr wirksam. Sie schließt das Spiel mit Handschellen und Gerte nicht völlig aus, aber es muss sich unbedingt im Rahmen einer Liebe, einer festen Beziehung, möglichst noch in einer traditionellen Einehe vollziehen, dann kann man damit gern ein bisschen unterhalb der Schmerzgrenze experimentieren, um dem Sex etwas Dynamik zu verleihen. Wehe aber, die Liebenden suchen neue Wege für ihre Beziehung — bewahre, vielleicht Beziehungen —, wehe, Dominanz & Unterwerfung wird Lebensstil, wird vielleicht in einem größeren Altersgefälle gelebt oder als reine D/s-Beziehung als dauerndes Machtgefälle, dann bestraft das Leben die Abweichler vom gottgewollten Weg.

Und eben daraus bezieht das Buch zum Teil seinen Erfolg. Ein solches Massenphänomen kann nur affirmativ sein, es muss größtenteils eine Bestätigung dessen sein, was die Leserinnen (vermutlich 90%) und Leser fühlen. Umrahmt von leckeren Details, die die Sinne befriedigen, erscheint das Weltbild, das gewünscht, erhofft, bestätigt und gelebt wird. Die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft. Spannung findet nicht im Spielzimmer statt, sondern da, wo Krimis üblicherweise stattfinden, auf Straßen und im Gelände, in Treppenhäusern und Tiefgaragen. Die Halbbösen sind die Lebensstil-Tops und Subs, die ganz Bösen sind die sexuell Frustrierten und Abgewiesenen.
Wie schon eine Kritikerin in einem amerikanischen Portal bekannte, sie hat sich mit Mühe durch die 3 Bände durchgeschlagen. Ich bin zu 81% durch damit, und es würde mich verdammt wundern, wenn noch etwas anderes daraus würde als ein Produkt der Anti-BDSM-Literatur.

Lilith of Dandelion