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Ein Gedicht

DAS FLEISCH SCHREIT

Löwe vor dem Arsenal

I.
Ein halber Burger liegt am Boden.
Starb dafür das Tier?
Aus jeder Zelle Qual.
Was ist mit meinen?

II.
In jeder Zelle Lust?
Ist Lust nicht Pein?
So sagt der Buddha. Was wird sein,
wenn ich mal tot bin?
Was bleibt, und wonach schmeckt mein Fleisch?
Was tränkt die Erde um mein Grab:
Lust oder Qual?

III.
Ich präge mich mit meinem Tun.
Ich destilliere Lust wie guten Weinbrandt
langsam, mit Bedacht.

IV.
Die Leidenschaft verkommt zum Schwelbrand,
wenn sie nicht aufsteigt
und gereinigt wird wie Dampf.
Und wer bestimmt, ob Liebe Kampf
ist -- oder Tanz?
Das Tier
in mir
verkümmerte nicht ganz.

V.
Es drängt und schlägt
an sein Gehege.
Es steigt die Gitter auf und ab.
Es trottet lange Wege.
Es hat gewartet mit dem scheuen Blick
von einem, das nicht laufen darf,
und steht der Käfig einmal offen,
ist es aufs Laufen nicht mehr scharf.

VI.
Das Tier in mir hab ich in strenger Haft gehalten,
bis es mir fast verdurstet ist.
Ich sah ihn nicht, den stillen Brand,
der sich schon lange durch mein Leben frisst.
Ich ließ es raus, das wilde Tier,
das nun schon Haut und Knochen war,
es trat ans Licht und aß und trank,
dann trug es mich.
So bin ich hier
Und schau zurück
und nenn' sie krank, die Käfighaft,
die ich mal gut und richtig fand.

VII.
Das Tier wird alt, doch wird's in Frieden sterben,
satt und frei,
nachdem es lauter Freude trank.

Entstehung

Lilith Dandelion hat dieses Gedicht 2006 im Fast-Food-Restaurant auf einen Pappendeckel geschrieben.
Es beschreibt, wie ich nach der Entdeckung meiner SM-Veranlagung aus einem langwierigen Verdrängungskampf gegen mich selber herauskam. Der Glaube, ich sei ein missratener Freak, hatte mir in langer Zeit schon beträchtlichen Schaden angerichtet, mein Selbstwertgefühl beeinträchtigt bis zu dem Punkt, dass ich versuchte, mich immer mit dem Schlechtesten zu begnügen, damit ich nur nicht angegriffen würde. Nicht sein zu dürfen wie ich sein wollte -- das war ein chronisches Trauma, das ich in dieser Metapher darstellen wollte.